Rosemarie "Rosa" Precht (*geboren 03.05.1951; † 31.01.1991) war eine deutsche Songschreiberin, Sängerin und Keyboarderin.

Die nachfolgende Biographie samt dem Interview mit Reinhold Heil
wurde mir von
Christian Reder von www.music-pleasuredome.de zur Verfügung
gestellt.
Vielen Dank Christian!
Cosa Rosa hieß mit bürgerlichem Namen Rosemarie Precht und war
gelernte Architektin. Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie jedoch
nur kurz in einem Architekturbüro in Berlin, ehe sie sich auf ihre
Leidenschaft, die Musik, konzentrierte. Ihre ersten Sporen als
Musikerin verdiente sie sich bei der Mädchenband INSISTERS, mit der
sie im Jahre 1981 die LP "Moderne Zeiten" veröffentlichte. Kurz
nach Erscheinen der LP trennte sie sich von der Band, um ein
Angebot der bekannten deutschen Musikerin Ulla Meinecke anzunehmen,
die damals eine neue Keyboarderin für ihre Tournee suchte.
Spliff-Schlagzeuger Herwig Mitteregger, der 1980 als Ulla Meineke
Produzent fungierte, schlug Rosa für Ullas Band vor.
Rosa war seit 1976 die Freundin von Reinhold Heil. Von ihren
Kompositionen angetan und auch überrascht, beschloss Reinhold Heil
mit ihr zusammen Musik zu machen. Die Solokarriere von Cosa Rosa
hatte begonnen. Rosa und Reinhold versuchten lange, die
Kompositionen auf konventionelle Instrumente zu übertragen. Mit den
Ergebnissen waren beide nicht zufrieden. Nach langem
Experimentieren beschlossen die beiden, die komplette LP nur mit
Synthesizern und Rhythmusmaschinen aufzunehmen. Das Ergebnis war
erfolgreich. Mit dem Debüt-Album "Traumstation" und der daraus
ausgekoppelten Single "Rosa auf Hawaii" begeisterte Cosa Rosa die
Musikfans und Journalisten gleichermaßen. Trotz des Erfolges
arbeiteten Cosa Rosa weiterhin für Ulla Meinecke und Reinhold Heil
für Spliff. Als 1985 dann die LP "Kein Zufall" und die Single
"Millionenmal" veröffentlicht wurden, war das der größte Erfolg für
die beiden. Die Single landete prompt in den Top 10 der Deutschen
Single Charts, das Album kam bis auf Platz 40 der LP Charts.
"Millionenmal" lief im Radio rauf und runter - noch Jahre nach
seiner Veröffentlichung.
Im Jahre 1986 folgte das dritte und letzte Album der hübschen
Berlinerin mit dem schlichten Titel "Cosa Rosa". Auch die Single
"Puppe kaputt" aus dieser LP platzierte sich in den Top 100. Ende
der 80er Jahre vermeldete die Presse, daß es Cosa Rosa
gesundheitlich nicht sehr gut gehen würde. Sie und ihr
Lebensgefährte zogen sich aus der Öffentlichtkeit zurück. Den Krebs
hat Rosa Precht nicht besiegen können; sie starb am 31.Januar 1991
an den Folgen dieser Krankheit. Zurück blieb ihr Schaffen - drei
LPs mit großartigen Deutschen Pop-Songs.
Fast 15 Jahre nach ihrem Tod gibt es immer noch viele Fans von Cosa Rosa. Über ihr Leben, ihre Musik und über den Menschen Rosemarie Precht sprach Christian Reder am 05. September 2006 mit ihrem langjährigen Lebensgefährten, Reinhold Heil.
Es ist seit Jahren ein Wunsch gewesen, in irgendeiner Form ein
Denkmal für Cosa Rosa zu errichten. Ein typisches Music-Pleasuredome Feature ohne einen O-Ton des
jeweiligen Künstlers wäre eigentlich undenkbar. Eine einfache Story
über sie zu verfassen ging auch nicht, denn wir wollten uns nie auf
die fehlerhaften Informationen verlassen, die z.B. das Internet
hergibt (offizielle Publikationen über sie gibt es nicht). Im
Frühjahr 2006 hatte Christian Reder das große Glück, Reinhold Heil
kennenzulernen. Auf die Frage, ob er das Vorhaben unterstützen
will, hat er sich sofort bereit erklärt.
Wer sonst kann mehr und gehaltvollere Angaben zu ihrem Leben und
ihrem Schaffen machen, als Reinhold selbst? Wohl kaum ein anderer!
In einem Interview am 06. September 2006 gab er uns Antworten auf
viele unbeantwortete Fragen und tiefe Einblicke in das Leben und
Schaffen dieser einzigartigen Künstlerin.
Rosa war in den frühen 80ern zuerst bei der Band
INSISTERS und dann später bei Ulla Meinecke als Keyboarderin aktiv.
Beide Projekte waren aber nur kurze Stationen in ihrer Laufbahn.
War die Arbeit in einer Band, zusammen mit anderen Musikern, ein zu
enges Korsett für Rosa, um sich musikalisch zu
verwirklichen?
Nein. Rosa liebte das Gefühl, mit
einer Band auf der Bühne zu stehen. Sie hatte ein zwiespältiges
Verhältnis zum Scheinwerferlicht. Als Solokünstlerin hatte sie
zuviel davon, als Highlight der Ulla-Meineke Band war's genau
richtig. Dann wurde sie 1984 auf einer Tournee mit Ulla sehr krank
und musste die Tour abbrechen. Sie wurde dann durch George Kochbek
ersetzt. Das war ein ziemlicher Tiefschlag für sie. Immerhin hatte
sie 3 Jahre in dieser Band gespielt und fühlte sich dort wirklich
zu Hause. Das Soloprojekt Cosa Rosa war ja gerade erst im
Entstehen. Wir fingen mit dem zweiten Album an, als es ihr wieder
besser ging. Wir hatten gerade ein Dachgeschoss in Schöneberg mit
eigenem Studio bezogen. Das wurde dann das kreative Nest, oder auch
- wie sie fand - unser Elfenbeinturm, aus dem sie dann nur noch für
TV Shows herauskam.
Wie und wo habt ihr euch kennen
gelernt?
Das war 1976 in der Eierschale, einem
Live Club in Berlin. Dort spielte regelmäßig eine Band mit zwei
hängengebliebenen GIs als Sängern, die die beste Soulmusik in der
Stadt machte. Ich war damals noch eine lokale Größe und spielte mit
meiner Fusion Band "Bakmak" oft im Quasimodo. Irgendwo zwischen
Soulmusik und dem Fusionjazz hat es dann gefunkt.
Das Vorhaben, ein eigenes musikalisches Projekt zu
starten, kam nicht von Rosa alleine, sondern auch von dir,
oder?
Was war der Auslöser dafür und welche Idee steckte hinter Cosa
Rosa? Kann man sagen, dass Cosa Rosa ein Duo war oder war sie die
Solokünstlerin und du der Mann im Hintergrund und an den
Keyboards?
Rosa und ich waren beide noch Studenten, als wir uns kennenlernten.
Ich studierte Musik, sie Architektur. Als sie ihr Diplom hatte,
begann sie als Architektin zu arbeiten. Inzwischen spielte ich in
der Nina Hagen Band und machte zwischendurch auch noch Studiojobs,
um das Equipment aufzuforsten, was damals ja noch sündhaft teuer
war. Einer dieser Jobs war ein Album mit den besten Songs von Billy
Joel. Das mögen viele belächeln, aber das Zeug ist wirklich super
geschrieben und nicht einfach zu lesen, bzw. zu spielen. Ich
brachte die Leadsheets mit nach Hause und zeigte Rosa, wie man sie
liest und ins Spielen umsetzt. Das ging ziemlich flockig und ich
war erstaunt über ihr Talent. Sie hatte zwar oft davon geredet,
dass sie Klavierstunden genommen hatte und mit ein paar Leuten in
der Lüneburger Heide zaghafte Versuche unternommen hatte, eine Band
zu gründen, aber ich hatte das nie wirklich Ernst genommen. Nun war
es 1980 und wir konzipierten gerade die Spliff Radio Show, als die
Insisters bei Rosa anfragten, ob sie nicht Keyboards spielen will.
Die waren mehr wild als begabt, aber irgendwie hatten sie ne Menge
Spass und wurden auch sehr schnell immer besser. Ich half Rosa mit
Equipment aus, und sie hatte dann die ersten Gigs in Berlin. Herwig
Mitteregger (Reinholds Kollege von der Gruppe SPLIFF, Anm. d. Red.)
war dann derjenige, der sie für Ullas Band rekrutierte. Da wäre ich
- typisch Boyfriend - nie drauf gekommen. Um jetzt endlich die
Frage zu beantworten: irgendwann, bevor ich auf Tour mit Spliff
ging, zeigte ich ihr, wie man die 4-Spur bedient. Sie überraschte
mich dann auf Tour mit einer Cassette voll Songs, die sie allein
geschrieben, gespielt, gesungen und gemixt hatte, und die einfach
unwerfend atmosphärisch waren. Ich hatte mich wirklich lange genug
dagegen gewehrt, meine Freundin (die Architektin und
Hobbymusikerin) als Kollegin zu akzeptieren. Aber das waren einfach
zu erdrückende Beweise für ihr überbordendes Talent. Da ich bei
Spliff immer wieder mal einen Song schrieb, der nicht ins
Bandkonzept passte, kam mir die Idee, diese Songs mit Rosas Werken
für ein doppeltes Soloprojekt zu verwenden. Zu hören auf dem Album
"Traumstation". Eine bizarre Mischung, aber kein in sich stimmiges
Album. Rosa musste hier einfach mit der Zeit die Hauptfigur werden.
Bei den weiteren Cosa Rosa Alben kam Rosa dann mehr und mehr zum
Zug und ich war nur noch gelegentlicher Musiklieferant und
Produzent.
Mit den Worten "Nach Nena kommt jetzt Cosa Rosa"
beginnt das Kapitel über Cosa Rosa in dem Buch "Neue Deutsche Welle
- Kunst oder Mode". Konnte man aus deiner Sicht Cosa Rosa überhaupt
mit Nena vergleichen?
Die armen Journalisten.
Was die sich immer aus den Fingern saugen müssen, damit sie ein
paar Teuro Zeilenhonorar kriegen.
War Cosa Rosa eine musikalische Erscheinung der NDW
oder hatte sie damit gar nichts zu tun?
Ich weiss ganz genau, dass sie sich nicht als Teil der NDW
verstand, aber so, wie das heute interpretiert wird, war sie
natürlich in dieser Schublade.
Wie definierst Du persönlich die Neue Deutsche
Welle? Was hat sie ausgezeichnet, woran konnte man sie festmachen
und wo lag der Reiz dieser "Bewegung"?
Für mich
fing die NDW mit ein paar Gruppen an, die ein modernes Pendant zur
Schlagermusik der 50er machten und dabei ne Menge Spaß hatten
(nein, nicht Markus, der kam später...). Ich habe vergessen, wie
die Spex- oder ME-Journis hießen, die den Begriff ursprünglich
prägten. Spliff hatte damit nichts zu tun oder auch nur am Hut.
Aber als das ganze zur vermarktbaren Welle wurde, kam jeder, der
Deutsche Texte machte, in diese Schublade. Und da sind wir jetzt
alle zusammen, solange die Deutsche Pop Geschichte noch von
irgendjemandem verfolgt wird. Aus irgendeinem Grund blieb mein
Freund Rio Reiser von diesem Phänomen verschont. Er war ja sicher
DER Pionier Deutschsprachiger Rockmusik, nicht Udo Lindenberg, wie
viele glauben. Die Abfolge war ungefähr so: "Ton Steine Scherben"
(Mit Rio Reiser als Sänger, Anm. d. Red.), zur selben Zeit
vielleicht noch "Ihre Kinder", dann Lindenberg, dann Nina Hagen,
die dermaßen viele andere Menschen im Lande inspirierte, dass es
richtig losging. NDW hiess es ab dem Zeitpunkt, als eben jene
Journalisten den Begriff prägten. Der Rest sind zahllose Musiker,
die auf diesen vielversprechenden Zug aufsprangen. Am Ende war die
Spliff'sche Entscheidung, nach der Radio Show wieder Deutsch zu
singen, auch eine opportunistische. Als Teil einer "Bewegung" haben
wir uns allerdings nie verstanden, obwohl wir ja einen zentralen
Anteil an ihrem entstehen hatten (durch unsere Zusammenarbeit mit
Nina Hagen). Demzufolge hatte die Bewegung auch keinen Reiz für
uns, Rosa eingeschlossen. Frag alle anderen, die damals
rumschwirrten und NDW toll fanden.
Meine erklärte Lieblingsband aus dieser Zeit ist Interzone, die nun
wirklich nicht mit dem Spaßgedönse mitdröhnten. Und einfach
klassisch gut ist alles, was Annette Humpe in ihrem Leben so
getrieben hat. Die ragt einsam aus der NDW-Schublade hervor. Damals
gab es eine lokalberliner Rivalität zwischen Spliff und Ideal, aber
inzwischen ist Annette eine gute Freundin, die ich nicht mehr
missen möchte, obwohl wir uns nur selten sehen.

Das erste Album mit seiner Singleauskopplung "Rosa
auf Hawaii" bescherte euch gleich den ersten Erfolg. Eine
Chartplatzierung und TV-Auftritte waren der Lohn für die Arbeit.
Erinnerst du dich noch an diese Zeit, als sich die ersten Erfolge
abzeichneten?
Zuerst gab es einfache
SFB-produzierte Musikvideos für "Im Freien Fall" und "Fahrstuhl",
wenn ich mich recht erinnere. Als CBS dann "Rosa Auf Hawaii"
auskoppelte, folgte ein weiteres Pre-MTV Video von "Formel Eins",
damals die einzige Sendung im Deutschen Fernsehen, die sowas
bundesweit anbot. Das Video war extrem albern, aber unser Freund
Eisi Gulp war dabei, und das war ja immerhin etwas. Die Zeit war
hektisch, Nena beanspruchte mich zunehmend mehr, und Cosa Rosa war
eher ein entspannendes Nebenprojekt, bei dem man sich wenigstens
ein wenig mit Befriedigung einbringen konnte. Jim Rakete fungierte
auch für Rosa als Manager, Fotograf und Berater. Das war für alle
damals ein Glücksgriff, weil er wirklich ein guter und kreativer
Marketingmann war. Allerdings hatte er dann in 1986 das Gefühl,
dass ich ihn mit meinem Ausstieg als Nena Produzent hängen gelassen
hatte. So richtig klar wurde mir das allerdings erst, als der
Pressetext zum Album "Cosa Rosa" ausschliesslich die Informationen
und Formulierungen enthielt, die Rosa und ich NICHT an die Presse
weitergeben wollten. Das werde ich ihm nie verzeihen.
Stimmt es, dass sämtliche Instrumente, die gerade in
den Songs des ersten Albums zu hören sind, synthetisch, also mit
Synthesizer erzeugt worden sind?
Nicht ganz. Das Saxophon auf "Die Frau Is'n Kerl" ist live, von
Wilson De Oliveira gespielt. Und meine Handclaps sind zum Teil
live. Ansonsten: alles elektronisch, da wir es ja alles alleine
einspielten. Zwei Keyboarder mit Zugang zu ner Menge Keyboards und
Computern.
Mit "Millionenmal" gelang zwei Jahre später ein noch
größerer Erfolg. Die Single landete in den Top 10, das Album "Kein
Zufall" kam bei Fans und Musikjournalisten gleichermaßen gut an.
Wie sind dieses Album und der Hit
entstanden?
Die ersten Layouts entstanden noch
in unserer Altbauwohnung nahe der Gedächtniskirche. Nach unserem
Umzug im Februar 1984 wurde dann im eigenen Studio in Schöneberg
richtig produziert.
Gab es damals auch eine
Tour?
Rosa wurde in der Meinecke Band eine Art
herausragende Nebenfigur. Sie war nicht nur lecker anzuschauen,
sondern spielte einfach genauso gut wie ihre männlichen Kollegen.
Das war damals noch höchst selten.
Es gab nie eine Cosa Rosa Tour. Mitten in der Arbeit an "Kein
Zufall", außerdem mitten in einer Ulla Meinecke Tour, wurde sie ja
sterbenskrank. Danach hatte sie einfach zu viel Angst, um eine Tour
zu starten. Schon die Fernsheauftritte waren eine Tortur für
sie.

Nur ein Jahr später erschien das Album "Cosa Rosa"
mit dem Singlehit "Puppe kaputt". Danach wurde es still um Cosa
Rosa. Was war der Grund, warum nach dem 1986er Album keine weitere
Produktion mehr veröffentlicht wurde?
Sie war so krank, dass Arbeit nur noch sporadisch möglich war.
Gibt es noch unveröffentlichtes Material, was den
Weg in die Plattenläden nicht mehr gefunden
hat?
Es gibt noch ein paar sehr schöne, unveröffentlichte Songs, die
aber nie produziert wurden. Sonst hätte ich die schon
veröffentlicht. Aber ich hab leider keinen "Cosa Rosa
Stimmsynthesizer". Ganz zu schweigen von der Persönlichkeit hinter
den Stücken, die uns mit Sicherheit fehlen würde.
Ende der 80er konnte man der Presse entnehmen, dass
es Rosa gesundheitlich nicht sehr gut ging. Wie machte sich ihre
Krankheit bemerkbar?
Rosa wollte das nie
öffentlich machen. Daran werde ich mich selbstverständlich halten.
Ich habe nur gerade ihre Wikipedia Seite korrigiert, die ein paar
falsche Informationen enthielt. Das Ergebnis ist nicht sehr
umfangreich, aber zumindest faktisch korrekt
Leider verstarb Rosa Anfang der 90er an den Folgen
ihrer Erkrankung. Du bist bis zuletzt ihr Lebensgefährte gewesen.
Was war Rosa privat für ein Mensch?
Wir haben
nie geheiratet. Jeden Tag hätte einer von uns seine Sachen packen,
und ohne großen Aufwand ausziehen können. Ich glaube, das war ein
stabilisierender Faktor. Ich lasse mich gerade nach 12 Jahren von
meiner Frau scheiden. Der Glaube an die Institution Ehe will sich
einfach nicht einstellen, und alle Erfahrungen geben mir
recht.
Rosa war eine eher stille, introvertierte Frau. Allerdings hatte
sie einen unglaublich schlagfertigen und trockenen Humor und eine
ansteckende Lache, wie niemand sonst in meinem Freundeskreis. Sie
war eine unglaublich gute und kreative Köchin, nach ihrer
Erkrankung mehr und mehr in Richtung Vollwertkost, ohne dass es je
langweilig oder geschmacksarm zuging. Sie hatte ein wunderbares
Gefühl für Design und Harmonie im Wohnraum, war romantisch, ohne in
Kitsch abzudriften und voller menschlicher Wärme. Unsere Beziehung
war sicher nicht ohne Probleme, aber ich kam nie auf die Idee, den
Möbelwagen zu bestellen.
Danach war auch von dir als Musiker auf der Bühne
oder auf Platte nichts mehr zu hören. Was hast du seit Anfang der
90er gemacht?
Was die Bühne angeht, habe mich in
meinen Zwanzigern ausgelebt. Nachdem ich dann im Studio Jahre damit
zubrachte, anderer Leute Musik zu polieren, wollte ich einfach
selbst wieder schreiben. Die Liebe zu Film und Theater habe ich
dann damit kombiniert und seit 1996 mit Johnny Klimek und
gelegentlich mit Tom Tykwer Filmmusiken geschrieben, eingespielt
und produziert. Ich bin heute produktiver denn je, und man kann
eine Menge Filmprojekte auch als CD kaufen (z.B. "Lola Rennt" oder
"Der Krieger Und Die Kaiserin", aber auch "Land Of The Dead" oder
"The Cave"). Seit Anfang September gibt es zum Beispiel den
Originalsoundtrack zu "Das Parfum", an dem wir zwei Jahre lang
gearbeitet haben. Eingespielt größtenteils von Sir Simon Rattle und
den Berliner Philharmonikern. Mit dieser Entwicklung meiner
Zweitkarriere bin ich wirklich sehr zufrieden. Da wird noch einiges
kommen.
Interview: Christian Reder
Discography:

Für mich ist Kein Zufall das beste
Werk, wenngleich es wahrscheinlich auch damit zu tun hat, das es
ein Teil meiner Jugend ist.
In meinen Armen <- aus Kein Zufall
ist mein absolutes Lieblingsstück. Hier ist das Wort
"Zärtlichkeit " in einem Stück Musik verpackt, wie es schöner kaum
geht.
Es ist eine Schande, daß Rosa Precht so früh diese Welt verließ,
dennoch bin froh, daß diese tolle Musikerin in meinem Herzen
weiterlebt.
Ich kann Euch empfehlen, die Scheiben noch einmal zu hören oder zu versuchen, die CD´s über das Internet käuflich zu erwerben, weil es sich hier eindeutig nicht um einen Oldietipp handelt!
Kay